Home Blog erstellt am: : 01/02/08 Zuletzt aktualisiert : 19/05/08 15:18 / 20 veröffentlichte Einträge

Wenn ein Jugendlicher Alkohol trinkt oder Drogen nimmt  Verfasst: Montag, den 19. Mai 2008 15:18

Mit zum wichtigsten, was das Evangelium den Eltern schenkt, gehört die Hoffnung – die Hoffnung darauf, dass ein Kind zruückkehrt, die Hoffnung auf die heilende Kraft des Sühnopfers Jesu Christi

Richard und Jennifer Fisher haben vier Kinder. Mit der Geburt eines jeden Kindes wuchs in ihnen der Wunsch, ihre Kinder in Rechtschaffenheit aufzuziehen und ihnen zu helfen, zu ihren himmlischen Eltern zurückzukehren. Daß eins dieser Kinder jetzt drogen- und alkoholabhängig ist, können sie fast nicht ertragen. Ihr Herzeleid läßt sich nicht in Worte kleiden.
Schwester Fisher sagt: „Wir haben ganz stark das Gefühl, versagt zu haben. Ich gehe jeden Tag durch, der seit der Geburt unseres Sohnes vergangen ist, und frage mich, was passiert ist. Was haben wir falsch gemacht? Was haben wir bei ihm anders gemacht als bei den übrigen Kindern? Aber natürlich gibt es auf diese Fragen keine Antwort.
Zuerst hatte ich auch das Gefühl, in der großen Kirchenfamilie und nicht nur in meiner eigenen Familie versagt zu haben. Ich fühlte mich meiner Berufungen in der Kirche unwürdig und bat darum, entlassen zu werden. Wenn in der Zeitung etwas über meinen Sohn steht, weil er wieder einmal mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, frage ich mich: Wie soll ausgerechnet ich effektiv Missionsarbeit leisten?”
Hier schildert Schwester Fisher die dunkelste Phase ihres Ringens. Solche dunklen Phasen kommen jetzt immer seltener, weil ihr Sohn Kokain und andere Drogen zum größten Teil aufgegeben hat. Aber er trinkt noch immer. Ihr Kummer ist auch deshalb ein wenig abgeklungen, weil ihr klar geworden ist, daß nicht sie die Schuld daran trägt, sondern daß ihr Sohn ein Kind Gottes ist und von diesem Entscheidungsfreiheit bekommen hat. Er hat ihr oft versichert, daß er seine Entscheidungen aus eigenem Antrieb getroffen hat und daß sie ihm eine gute, liebevolle Mutter war.
Bruder und Schwester Fisher kämpfen so wie viele andere Eltern in der Kirche einen schmerzlichen, manchmal einsamen Kampf, wenn es um ein Kind geht, das Alkohol und Drogen nimmt. Gespräche mit Eltern, jungen Menschen und Suchtberatern, die alle der Kirche angehören, haben deutlich gezeigt, daß Familie Fisher nicht allein ist. Sie haben aber auch gezeigt, daß Familien in der Kirche, die mit diesem Problem kämpfen, nicht auf sich allein angewiesen sind, denn die Evangeliumsgrundsätze bauen sie auf, und die Kirche und auch ihr Gemeinwesen sind immer zur Hilfe bereit.

Das Problem existiert
Ob ein junger Mensch Drogen nimmt, hat nichts mit seinem Geschlecht, seiner Volkszugehörigkeit, seinem sozialen Umfeld oder seiner Religion zu tun. So etwas kann in jeder Familie vorkommen. Die Kirche scheint in dieser Hinsicht allerdings ein großer Schutzfaktor zu sein. Eine Studie in den Vereinigten Staaten hat beispielsweise gezeigt, daß der Prozentsatz der jungen Menschen, die Marihuana rauchen, unter den Mitgliedern beträchtlich geringer ist als im bundesweiten Durchschnitt. Diese Zahlen darf man nun aber nicht als beruhigend ansehen, da Marihuana oft eine Einstiegsdroge in weitaus gefährlichere Drogen wie zum Beispiel Crack ist. Crack ist eine Art Billigkokain, das zu intensiver seelischer Erregung führt, fast sofort abhängig macht und schnell zum Tod führen kann.

Sich informieren
Während Schulkinder häufig über Drogen und möglicherweise auch über die damit verbundenen Gefahren Bescheid wissen, informieren sich die Eltern oft überhaupt nicht. Nur wenige Eltern wissen, an welche Drogen ihre Kinder kommen könnten, wie sie sich auf den Körper auswirken und wie leicht sie erhältlich sind. Vielleicht wissen sie auch gar nicht, wie anerkannt Drogen in der heutigen Gesellschaft sind und wie schnell man in die Versuchung gerät, Drogen zu nehmen. Und wahrscheinlich ist ihnen auch gar nicht klar, wie weit ein junger Abhängiger geht, um sich Geld für Drogen zu beschaffen.
Dabei gibt es viel Literatur zu diesem Thema, zum Beispiel von staatlichen Stellen. Außerdem gibt es in fast jeder Stadt Drogenberatungsstellen und Drogenbeauftragte, an die man sich wenden kann.
Chris Garret ist achtzehn Jahre alt. Er war drogenabhängig, und zwar so sehr, daß er nur mit viel Glück am Leben geblieben ist. Jetzt hat er sich von der Sucht befreit. Schon als kleiner Junge trank er Alkohol, als Heranwachsender rauchte er Marihuana, und ein paar Jahre später nahm er alles, was er bekommen konnte: Marihuana, Kokain, LSD, Opium, Crack, Speed und viele verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente. Er zog zwischen den Topfpflanzen seiner Mutter sogar Marihuanapflanzen. Um seine Sucht bezahlen zu können, brach er in Wohnungen ein, machte Taschendiebstähle und stahl während der Versammlungen der Kirche Geld aus geparkten Autos. Vor drei Jahren begann Chris eine vierzehnmonatige Therapie.
Chris sah nicht so aus, wie sich die meisten Menschen einen Drogenabhängigen vorstellen, und deshalb gelang es ihm wahrscheinlich auch, seine Sucht für eine gewisse Zeit vor seinen Eltern zu verbergen. Er sah gut aus, war immer gut angezogen und machte einen gepflegten Eindruck. „Man muß nicht mehr wie ein Drogenabhängiger aussehen oder sich mit ,schlechten Freunden' abgeben, um in Schwierigkeiten zu geraten”, sagt eine Drogenbeauftragte. „Ich kenne einen Jungen, der auf der Arbeit begann, Drogen zu nehmen. Später nahm er Drogen, wenn er bei seinen Freunden oder zu Hause war. Die meisten seiner Freunde stammten durchaus aus sogenannten guten Familien.”
David und Shauna Bonds Sohn war auch einmal drogenabhängig. Sie glauben, daß sie ihm schon deshalb in einem frühen Stadium helfen konnten, weil sie sich informiert hatten. Bruder Bond kannte die Anzeichen für Alkohol- und Drogenkonsum und fand sie in seinem Sohn wieder.
Bruder Bond erzählt: „Als wir merkten, daß Mike Drogen nahm, besorgte ich mir entsprechende Literatur und bat ihn, das zu lesen; später wollten wir dann zusammen darüber sprechen. Mike hatte gedacht, er wüßte alles über dieses Thema, aber das stimmte nicht. Er hörte dann unter anderem deshalb auf, weil wir ihm die Gefahren bewußt gemacht und ihm gezeigt hatten, daß wir Bescheid wußten.”

Wo man Hilfe findet
Wenn Eltern feststellen, daß ihr Kind Alkohol oder Drogen nimmt, können sie sich an verschiedene Stellen wenden - angefangen bei Priestertumsführern und FHV-Führungsbeamtinnen, die geistigen und praktischen Rat spenden können, bis hin zu amtlichen Drogenberatern und einer Therapie. Gute Freunde, vor allem solche, die ähnliche Probleme durchlebt haben und sich auch an die Evangeliumsgrundsätze halten, können eine unschätzbare Hilfe sein.
Auch Priestertumssegnungen können großen Trost und Inspiration schenken. Sowohl die Eltern als auch die Geschwister eines Drogenabhängigen können sich einen Segen geben lassen. Vielleicht möchte sogar ein abhängiger Jungendlicher einen Segen haben. Meistens ist es jedoch so, daß sich ein abhängiger Jugendlicher sehr weit von seiner Religion entfernt hat; die Eltern sollen ihm daher keinen Priestertumssegen aufzwingen.
Darüber hinaus können die Führer der Kirche, beispielsweise die Heimlehrer und die Besuchslehrerinnen, städtische Drogenberatungsstellen und Therapiezentren heranziehen.
Wenn Eltern merken, daß ihr Kind Alkohol trinkt oder Drogen nimmt, müssen sie mit als erstes folgendes herausfinden: Ist ihr Kind abhängig, und braucht es daher eine Therapie, oder läßt sich das Problem ohne professionelle Hilfe lösen? Es kann sein, daß die Eltern mit mehreren Personen sprechen müssen, um diese Frage beantworten zu können. Wenn sich herausstellt, daß das Kind abhängig ist, ist fast immer eine Therapie notwendig. Die Mutter eines Kindes, das derzeit eine Therapie macht, rät dringend: „Glauben Sie auch nicht einen Augenblick lang, daß Sie allein mit dem Problem fertig werden können! Sie schaffen es unmöglich allein!”
Gien Lambert ist Drogenberater. Er hat beobachtet, daß jungen Abhängigen aus einem religiösen Elternhaus oft einzigartige Hindernisse im Weg stehen, die ihre Gesundung erschweren. Jedesmal, wenn man sich über tiefverinnerlichte Wertvorstellungen hinwegsetze, so sagt er, vervielfachten sich die möglichen negativen Folgen. „Wenn ein Heiliger der Letzten Tage oder ein junger Mensch mit einer anderen strengen Religion sich über seine Wertvorstellungen hinwegsetzt, ist alles viel schwieriger. Das Schuldgefühl ist auch stärker.”
Aus diesem Grund ist ein frühes Eingreifen - wie man es in Kursen gegen den Drogen- bzw. Alkoholkonsum lernt - vor allem in einer HLT-Familie besonders wichtig. Lambert erklärt, daß es drei Grundprinzipien gibt - die übrigens alle mit den Evangeliumswahrheiten übereinstimmen -, an die Eltern sich im Umgang mit einem drogenabhängigen Kind halten können: Die Eltern haben ein Recht auf ein drogen- und alkoholfreies Zuhause; wenn die Eltern den Verdacht hegen, daß ihr Kind Drogen nimmt bzw. Alkohol trinkt, müssen sie es direkt darauf ansprechen und ihm helfen; das Kind muß die Folgen tragen, die falsche Entscheidungen mit sich bringen.
Natürlich gibt es keine Therapiemethode mit Erfolgsgarantie, so wie es auch keine Vorbeugung mit Erfolgsgarantie gibt, aber die drei genannten Prinzipien haben Bruder und Schwester Bond geholfen. Als sie sich das Problem ihres Sohnes bewußtgemacht hatten, handelten sie sofort konsequent, ohne dabei allerdings die Liebe zu vergessen. Bruder Bond sprach ruhig und liebevoll mit Mike und sagte ihm, daß er den Drogenkonsum in seinem Haus auf keinen Fall gestatten werde.
Als Mike weiterhin Drogen nahm, wandten Bruder und Schwester Bond jedes erdenkliche Mittel an, um ihn davon wegzubringen und fernzuhalten: sie informierten sich über Drogen, sie sprachen mit der Schule über Mikes Problem und baten darum, über verdächtiges Benehmen informiert zu werden; sie versuchten herauszufinden, was Mike nahm und woher er es bekam, und sie stellten Regeln für Mike auf, von denen sie nicht abwichen. Und bei all dem ließen sie Mike immer wieder wissen, daß sie deshalb bereit waren, so viel zu tun, weil sie ihn sehr liebten.
Bruder Bond berichtet: „Ich habe ihm einfach gesagt: Ich habe dich zu lieb, um dabei zuzuschauen. Du hast deine Entscheidungsfreiheit. Aber ich habe auch meine Entscheidungsfreiheit.”
Einmal, als Mike gesagt hatte, er nehme keine Drogen mehr, seine Eltern aber herausfanden, daß das nicht stimmte, handelte Bruder Bond sofort und konsequent.
„Ich fragte Mike, wer ihm die Drogen verkaufe, aber er wollte es mir nicht sagen. Daraufhin versicherte ich ihm: ,Ich werde es herausfinden, und wenn ich es herausgefunden habe, werde ich den Betreffenden bis an die Grenze der Legalität verfolgen. Und wenn ich einen Privatdetektiv anheuern muß, um herauszufinden, wer dir Drogen verkauft, dann werde ich auch das tun.' Ich glaube, Mike hat sich das zu Herzen genommen; meiner Meinung nach nimmt er seitdem keine Drogen mehr.”
Vielleicht macht es Eltern Angst, eine ausgesprochene Warnung auch wirklich wahrzumachen, weil sie befürchten, daß sich ihr Kind noch weiter von ihnen entfernt. Mike war wütend, weil seine Eltern eingriffen, und ihr Verhältnis zueinander verschlechterte sich beträchtlich. Aber der zeitweilige Kommunikationsstillstand war das Ergebnis wert: ein Sohn, der keine Drogen mehr nahm.
Familie Mitchell mußte viel länger kämpfen als Bruder und Schwester Bond, aber auch ihr Sohn kam von seiner Abhängigkeit los und führt jetzt ein produktives Leben als Ehemann, Vater und treues Mitglied der Kirche. Er hatte mit dem Alkoholkonsum begonnen, als er vierzehn war. Im Laufe der Jahre wurde seine Abhängigkeit immer stärker; sie zerstörte seine Ehe und führte dazu, daß er seine Familie und seinen Arbeitsplatz verlor. Vor vier Jahren - nach fünfzehnjähriger Abhängigkeit - begann er eine Therapie, die er erfolgreich abschloß. Bruder Mitchell glaubt, daß er und seine Frau ihrem Sohn eher hätten helfen können, wenn sie das Problem schneller erkannt hätten und konsequenter damit umgegangen wären.
„Wir wollten es überhaupt nicht glauben, daß unser Sohn alkoholkrank war. Sie wissen ja, man will immer das glauben, was das Kind einem erzählt, weil man eben genau das hören will. Wir bezahlten seine Geldstrafen und die Anwaltskosten. Wir sagten: ,Dieses eine Mal helfen wir dir noch.' So ging das über Jahre.”
Als ihr Sohn dann eine Therapie machte, lernten Bruder und Schwester Mitchell, daß ein Abhängiger nur dann aufhört, wenn er mit den Folgen seines Verhaltens konfrontiert wird. „Man muß dem Betreffenden helfen, die Folgen seiner Abhängigkeit zu sehen”, sagen sie. „Und je eher das der Fall ist, desto eher wird er wahrscheinlich auch aufhören. Er muß einsehen, daß das Vergnügen des Konsums nicht den Schmerz wert ist, der darauf folgt.”
Eltern, die vermuten, daß ihr Kind Drogen nimmt, dürfen nicht auf den Beweis dafür warten, ehe sie ihr Kind darauf ansprechen, wie groß ihre Angst auch sein mag.
Es könnte sein, daß Eltern, die nicht gut mit ihren heranwachsenden Kindern sprechen können, erst einmal die Beziehung zu ihren Kindern überprüfen müßten, sagt Susan Asher, die ebenfalls Drogenberaterin ist.
„Es kann sein, daß man erst einmal wieder den Kontakt zum Kind herstellen und ihm Liebe, Sorge und Nähe vermitteln muß. Man kann nicht mit einem Kind sprechen, mit dem man seit Jahren nicht mehr geredet hat - außer, um es zu kritisieren - und dann erwarten, daß es offen zu einem ist.”

Das Verhalten des Kindes verstehen
Ein abhängiger Jugendlicher kann die Geduld seiner Eltern auf eine harte Probe stellen. Fast immer versucht er, sie zu täuschen, etwas vor ihnen zu verheimlichen oder sie zu manipulieren. Außerdem ist er meistens aufsässig. Mike Bonds Vater sagt, Mike sei während der Zeit, wo er Drogen genommen habe, ein anderer Mensch gewesen, nach dem Aufhören aber wieder er selbst geworden. Ein Jugendlicher, der Drogen nimmt, behauptet oft, das würde überhaupt nichts bedeuten. Außerdem gibt er oft vor, aufgehört zu haben, oder sagt, das Drogenbesteck, das seine Eltern gefunden haben, gehöre einem Freund. Er sagt seinen Eltern, was diese hören wollen, und bringt sie oft dazu, nichts zu unternehmen.
Fast immer ändern sich die Wertvorstellungen eines Menschen, wenn er sich immer tiefer in den Drogenkonsum verstrickt. Zuerst beginnt ein Teenager zu lügen und dann zu stehlen, wenn es nötig ist. Schließlich sagt er sich von allem los, was ihm einmal wichtig war, in dem völlig egoistischen Betreiben, seine Abhängigkeit nicht aufgeben zu müssen.

Gefühle versehen
Niemand, dessen Kind auf Abwege geraten ist, kann sich der Frage entziehen, inwiefern er zu den Schwierigkeiten des Kindes beigetragen hat und wie er sie hätte verhindern können. Die Eltern fühlen sich vielleicht in hohem Maße schuldig. Manche geben die Schuld ihrem Ehepartner oder den Freunden des Kindes. Andere leugnen das Problem einfach. Zorn ist auch eine weitverbreitete Reaktion; so reagieren vor allem Eltern, die meinen, alles in ihrer Macht Stehende getan zu haben, um ihr Kind mit den Wertvorstellungen des Evangeliums aufzuziehen.
In manchen Fällen haben die Eltern wirklich schwerwiegende Fehler begangen, vor allem dann, wenn sie ihr Kind körperlich oder seelisch mißhandelt haben. Solche Eltern müssen umkehren und Wiedergutmachung leisten. Aber für die meisten Eltern gilt: Es hat keinen Zweck, sich ständig über die ehrliche Selbsteinschätzung hinaus Gedanken wegen der Vergangenheit zu machen.
Sogar die jungen Menschen, die von den Drogen losgekommen sind, geben sich fast immer selbst die Schuld an ihrem Verhalten. „Ich gebe nicht meinen Eltern die Schuld für alles, was ich getan habe”, sagt Dave Nelson. „Das wäre zwar bequem, aber meine Mutter hat mir ja nicht die Marihuanazigarette zwischen die Lippen gesteckt und sie angezündet.”

Die Eltern brauchen Hilfe
Verwandte, Freunde, Nachbarn und Gemeindemitglieder können einer Familie, die mit dem Drogenkonsum konfrontiert ist, sehr helfen, ihr aber auch großen Schmerz zufügen. Eine Familie mußte beispielsweise feststellen, daß die Gemeindemitglieder nur Kritik anzubringen hatten, aber nicht halfen. „Manche sagten uns, wir seien zu streng; andere sagten, wir seien zu nachgiebig”, erzählt die Mutter. „Eine ganze Weile wären wir fast verzweifelt und am liebsten gar nicht zur Kirche gegangen, weil wir das Gefühl hatten, alle seien gegen uns.”
„Die Mitglieder müssen sich bewußtmachen, daß sie den betreffenden Jugendlichen und seine Eltern nicht wie die Pest meiden dürfen”, sagt ein Vater, der in seiner Familie den Drogenkonsum erlebt hat. „Sie sollen vielmehr auf die Betreffenden zugehen und sie ihrer Liebe versichern. Außerdem sollen sie einfach nur zuhören, wenn der Betreffende über seine Empfindungen spricht.”
Bruder und Schwester Fisher konnten sich darauf verlassen, daß die Gemeinde ohne Vorbehalte zu ihnen stand. „Ich habe in der Zeugnisversammlung gesagt, daß ich die Mitglieder brauche, damit sie mit mir für meinen Sohn beten, und die Reaktion war einfach überwältigend. Die Mitglieder schreiben Briefe und bemühen sich besonders, mit Jason zu sprechen, wenn er zur Kirche kommt.”
Jason selbst sagt, er habe mit dem Gedanken gespielt, Selbstmord zu begehen, sich dann aber doch anders besonnen, weil er gewußt habe, daß es Menschen gab, die ihn liebten. Er hat seinen Eltern gesagt, daß ihre Gebete und die Gebete der Gemeindemitglieder ihn beschützt hätten und daß er nur deshalb noch am Leben sei.

Der größte Trost
Eltern, die mit diesem Problem zu kämpfen hatten oder noch zu kämpfen haben, sagen, wie sehr sie den Herrn lieben und wie dankbar sie für den Trost und die Führung des Evangeliums sind. Der Herr hat verheißen, daß er diejenigen, die „voll Glauben bitten und nicht zweifeln” (Jakobus 1:5,6), in reichem Maß mit Weisheit segnen und niemandem einen Vorwurf machen wird. Außerdem hat er ihnen Erkenntnis verheißen. (Siehe LuB 9:8,9.) Viele Eltern sagen, sie hätten sich auf den Herrn verlassen und im Umgang mit ihrem schwierigen Kind Inspiration, Führung und Trost erhalten.
Mit zum Wichtigsten, was das Evangelium den Eltern schenkt, gehört die Hoffnung - die Hoffnung darauf, daß ihr Kind zurückkehrt, die Hoffnung auf die heilende Kraft des Sühnopfers Jesu Christi.
„Es kann sein, daß eine Familie jahrelang mit diesem Problem ringt, und zwar trotz allen Betens und Fastens und allem, was man tun muß, um eine Antwort zu erhalten", sagt Bruder Mitchell. „Geben Sie die Hoffnung dennoch nicht auf, und verlieren Sie nicht den Glauben, denn manchmal dauert es einfach länger.”
Für Schwester Fisher haben sich die Früchte ihres Glaubens noch nicht vollständig gezeigt, und ihr ist klar, daß ihr Sohn sich vielleicht niemals vollständig von dem Weg abwendet, für den er sich entschieden hat. Aber trotzdem weigert sie sich, aufzugeben.
„Ich werde die Hoffnung nie aufgeben. Niemals.”
Sue Bergin, August 1990
Sue Bergin ist Journalistin. Sie wohnt in Provo, Utah.


Was man tun darf und was man nicht tun darf
Im folgenden finden Sie Anregungen von Eltern und Therapiespezialisten
Was man tun darf
*Fragen Sie sich einmal ernsthaft, ob Sie möglicherweise medikamentenabhängig sind oder auf bestimmte Nahrungsmittel oder Getränke nicht verzichten können.
* Seien Sie bereit, sich im Bedarfsfall außerhalb der Familie um Hilfe zu bemühen.
*Sprechen Sie so ehrlich, wie es angebracht ist, mit Nachbarn, Gemeindemitgliedern und Freunden über das Problem, wenn diese Fragen stellen.
*Informieren Sie sich auf jede mögliche Weise über Ihr Kind - durch seine Freunde, durch andere Eltern, durch Lehrer und durch die Schule.
*Gehen Sie so mit dem Problem um, wie es der Persönlichkeit und den Bedürfnissen Ihres Kindes entspricht.
*Hören Sie Ihrem Kind zu, und versuchen Sie, seine Empfindungen zu verstehen.
*Schließen Sie sich mit anderen Eltern zusammen, die Kinder im gleichen Alter haben, und legen Sie gemeinsam Regeln fest; halten Sie sich dann alle konsequent an diese Regeln.
*Informieren Sie sich über Drogen.
*Gehen Sie weiterhin in den Tempel, und nehmen Sie Ihre Berufungen in der Kirche wahr.
*Lassen Sie sich von den Evangeliumsgrundsätzen und den Mitgliedern Kraft, Trost und Führung schenken.
Gestehen Sie sich ehrlich jede Mitschuld am Verhalten Ihres Kindes ein; bleiben Sie aber nicht an diesem Punkt stehen, sondern wachsen Sie darüber hinaus.
*Wählen Sie bei Bedarf sorgfältig ein Therapieprogramm für Ihr Kind aus, das unter Umständen auch die gesamte Familie einbezieht.
*Zeigen Sie Ihrem Kind, daß Sie es trotz seines Verhaltens liebhaben und akzeptieren.
*Sagen Sie, daß Sie strikt gegen den Drogen- und Alhoholkonsum sind; versichern Sie Ihrem Kind aber, daß es Ihnen wichtig ist.
* Lassen Sie ein abhängiges Kind die Folgen seines Verhaltens spüren.

Was man nicht tun darf
*Sie dürfen nicht überreagieren oder hysterisch werden, wenn Sie feststellen, daß Ihr Kind Drogen nimmt oder Alhohol trinkt.
*Gehen Sie nicht davon aus, daß sich das Problem schon von allein lösen wird.
*Schützen Sie Ihr Kind nicht vor den Folgen seines Verhaltens.
*Lassen Sie nicht zu, daß die Schwierigkeiten eines Kindes die ganze Familie beherrschen und aufzehren.
Lassen Sie nicht zu, daß der Drogen- oder Alkoholkonsum Ihres Kindes einen Keil zwischen Sie und Ihren Ehepartner treibt.
*Seien Sie nicht erleichtert, wenn Ihr Kind nur Alkohol trinkt, aber keine Drogen nimmt.
*Tadeln Sie Ihr Kind nicht, und schelten Sie es auch nicht in einem fort.
*Sagen Sie nicht: „Was die Leute nur denken werden.”
*Werden Sie nicht selbstzufrieden, wenn Ihr Kind das Problem bewältigt hat - es kann immer wieder auftreten.

 

Woran man erkennt, ob ein Kind Drogen nim
*Launenhaftigkeit, mit Depression, innerer Abschottung und Trotz
*Nachlassende Leistungen in der Schule
*Neue Freunde
*Blutunterlaufene Augen
*Spätes Heimkommen und häufige Abwesenheit von zu Hause
*Nach dem Heimkommen sofortiger Gang in das eigene Zimmer
*Häufiges Kaugummikauen und Verwenden von Parfüm (um den Geruch von Drogen oder Alkohol zu überdecken)
*Ausweichendes, defensives Antworten auf Fragen
*Zunehmende Erschöpfung
*Verschwinden von Geld
*Zunehmendes Schuleschwänzen
*Zunehmend schlechter werdende Konzentrationsfähigkeit
*Gewichts- und Appetitsveränderungen
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