Mit zum wichtigsten, was das Evangelium den
Eltern schenkt, gehört die Hoffnung – die Hoffnung
darauf, dass ein Kind zruückkehrt, die Hoffnung auf die
heilende Kraft des Sühnopfers Jesu
Christi
Richard und Jennifer Fisher haben vier
Kinder. Mit der Geburt eines jeden Kindes wuchs in ihnen der
Wunsch, ihre Kinder in Rechtschaffenheit aufzuziehen und ihnen zu
helfen, zu ihren himmlischen Eltern zurückzukehren. Daß
eins dieser Kinder jetzt drogen- und alkoholabhängig ist,
können sie fast nicht ertragen. Ihr Herzeleid läßt
sich nicht in Worte kleiden.
Schwester Fisher sagt: „Wir haben ganz stark das Gefühl,
versagt zu haben. Ich gehe jeden Tag durch, der seit der Geburt
unseres Sohnes vergangen ist, und frage mich, was passiert ist. Was
haben wir falsch gemacht? Was haben wir bei ihm anders gemacht als
bei den übrigen Kindern? Aber natürlich gibt es auf diese
Fragen keine Antwort.
Zuerst hatte ich auch das Gefühl, in der großen
Kirchenfamilie und nicht nur in meiner eigenen Familie versagt zu
haben. Ich fühlte mich meiner Berufungen in der Kirche
unwürdig und bat darum, entlassen zu werden. Wenn in der
Zeitung etwas über meinen Sohn steht, weil er wieder einmal
mit dem Gesetz in Konflikt geraten ist, frage ich mich: Wie soll
ausgerechnet ich effektiv Missionsarbeit leisten?”
Hier schildert Schwester Fisher die dunkelste Phase ihres Ringens.
Solche dunklen Phasen kommen jetzt immer seltener, weil ihr Sohn
Kokain und andere Drogen zum größten Teil aufgegeben
hat. Aber er trinkt noch immer. Ihr Kummer ist auch deshalb ein
wenig abgeklungen, weil ihr klar geworden ist, daß nicht sie
die Schuld daran trägt, sondern daß ihr Sohn ein Kind
Gottes ist und von diesem Entscheidungsfreiheit bekommen hat. Er
hat ihr oft versichert, daß er seine Entscheidungen aus
eigenem Antrieb getroffen hat und daß sie ihm eine gute,
liebevolle Mutter war.
Bruder und Schwester Fisher kämpfen so wie viele andere Eltern
in der Kirche einen schmerzlichen, manchmal einsamen Kampf, wenn es
um ein Kind geht, das Alkohol und Drogen nimmt. Gespräche mit
Eltern, jungen Menschen und Suchtberatern, die alle der Kirche
angehören, haben deutlich gezeigt, daß Familie Fisher
nicht allein ist. Sie haben aber auch gezeigt, daß Familien
in der Kirche, die mit diesem Problem kämpfen, nicht auf sich
allein angewiesen sind, denn die Evangeliumsgrundsätze bauen
sie auf, und die Kirche und auch ihr Gemeinwesen sind immer zur
Hilfe bereit.
Das Problem existiert
Ob ein junger Mensch Drogen nimmt, hat nichts mit seinem
Geschlecht, seiner Volkszugehörigkeit, seinem sozialen Umfeld
oder seiner Religion zu tun. So etwas kann in jeder Familie
vorkommen. Die Kirche scheint in dieser Hinsicht allerdings ein
großer Schutzfaktor zu sein. Eine Studie in den Vereinigten
Staaten hat beispielsweise gezeigt, daß der Prozentsatz der
jungen Menschen, die Marihuana rauchen, unter den Mitgliedern
beträchtlich geringer ist als im bundesweiten Durchschnitt.
Diese Zahlen darf man nun aber nicht als beruhigend ansehen, da
Marihuana oft eine Einstiegsdroge in weitaus gefährlichere
Drogen wie zum Beispiel Crack ist. Crack ist eine Art Billigkokain,
das zu intensiver seelischer Erregung führt, fast sofort
abhängig macht und schnell zum Tod führen kann.
Sich informieren
Während Schulkinder häufig über Drogen und
möglicherweise auch über die damit verbundenen Gefahren
Bescheid wissen, informieren sich die Eltern oft überhaupt
nicht. Nur wenige Eltern wissen, an welche Drogen ihre Kinder
kommen könnten, wie sie sich auf den Körper auswirken und
wie leicht sie erhältlich sind. Vielleicht wissen sie auch gar
nicht, wie anerkannt Drogen in der heutigen Gesellschaft sind und
wie schnell man in die Versuchung gerät, Drogen zu nehmen. Und
wahrscheinlich ist ihnen auch gar nicht klar, wie weit ein junger
Abhängiger geht, um sich Geld für Drogen zu
beschaffen.
Dabei gibt es viel Literatur zu diesem Thema, zum Beispiel von
staatlichen Stellen. Außerdem gibt es in fast jeder Stadt
Drogenberatungsstellen und Drogenbeauftragte, an die man sich
wenden kann.
Chris Garret ist achtzehn Jahre alt. Er war drogenabhängig,
und zwar so sehr, daß er nur mit viel Glück am Leben
geblieben ist. Jetzt hat er sich von der Sucht befreit. Schon als
kleiner Junge trank er Alkohol, als Heranwachsender rauchte er
Marihuana, und ein paar Jahre später nahm er alles, was er
bekommen konnte: Marihuana, Kokain, LSD, Opium, Crack, Speed und
viele verschiedene verschreibungspflichtige Medikamente. Er zog
zwischen den Topfpflanzen seiner Mutter sogar Marihuanapflanzen. Um
seine Sucht bezahlen zu können, brach er in Wohnungen ein,
machte Taschendiebstähle und stahl während der
Versammlungen der Kirche Geld aus geparkten Autos. Vor drei Jahren
begann Chris eine vierzehnmonatige Therapie.
Chris sah nicht so aus, wie sich die meisten Menschen einen
Drogenabhängigen vorstellen, und deshalb gelang es ihm
wahrscheinlich auch, seine Sucht für eine gewisse Zeit vor
seinen Eltern zu verbergen. Er sah gut aus, war immer gut angezogen
und machte einen gepflegten Eindruck. „Man muß nicht
mehr wie ein Drogenabhängiger aussehen oder sich mit
,schlechten Freunden' abgeben, um in Schwierigkeiten zu
geraten”, sagt eine Drogenbeauftragte. „Ich kenne einen
Jungen, der auf der Arbeit begann, Drogen zu nehmen. Später
nahm er Drogen, wenn er bei seinen Freunden oder zu Hause war. Die
meisten seiner Freunde stammten durchaus aus sogenannten guten
Familien.”
David und Shauna Bonds Sohn war auch einmal drogenabhängig.
Sie glauben, daß sie ihm schon deshalb in einem frühen
Stadium helfen konnten, weil sie sich informiert hatten. Bruder
Bond kannte die Anzeichen für Alkohol- und Drogenkonsum und
fand sie in seinem Sohn wieder.
Bruder Bond erzählt: „Als wir merkten, daß Mike
Drogen nahm, besorgte ich mir entsprechende Literatur und bat ihn,
das zu lesen; später wollten wir dann zusammen darüber
sprechen. Mike hatte gedacht, er wüßte alles über
dieses Thema, aber das stimmte nicht. Er hörte dann unter
anderem deshalb auf, weil wir ihm die Gefahren bewußt gemacht
und ihm gezeigt hatten, daß wir Bescheid
wußten.”
Wo man Hilfe findet
Wenn Eltern feststellen, daß ihr Kind Alkohol oder Drogen
nimmt, können sie sich an verschiedene Stellen wenden -
angefangen bei Priestertumsführern und
FHV-Führungsbeamtinnen, die geistigen und praktischen Rat
spenden können, bis hin zu amtlichen Drogenberatern und einer
Therapie. Gute Freunde, vor allem solche, die ähnliche
Probleme durchlebt haben und sich auch an die
Evangeliumsgrundsätze halten, können eine
unschätzbare Hilfe sein.
Auch Priestertumssegnungen können großen Trost und
Inspiration schenken. Sowohl die Eltern als auch die Geschwister
eines Drogenabhängigen können sich einen Segen geben
lassen. Vielleicht möchte sogar ein abhängiger
Jungendlicher einen Segen haben. Meistens ist es jedoch so,
daß sich ein abhängiger Jugendlicher sehr weit von
seiner Religion entfernt hat; die Eltern sollen ihm daher keinen
Priestertumssegen aufzwingen.
Darüber hinaus können die Führer der Kirche,
beispielsweise die Heimlehrer und die Besuchslehrerinnen,
städtische Drogenberatungsstellen und Therapiezentren
heranziehen.
Wenn Eltern merken, daß ihr Kind Alkohol trinkt oder Drogen
nimmt, müssen sie mit als erstes folgendes herausfinden: Ist
ihr Kind abhängig, und braucht es daher eine Therapie, oder
läßt sich das Problem ohne professionelle Hilfe
lösen? Es kann sein, daß die Eltern mit mehreren
Personen sprechen müssen, um diese Frage beantworten zu
können. Wenn sich herausstellt, daß das Kind
abhängig ist, ist fast immer eine Therapie notwendig. Die
Mutter eines Kindes, das derzeit eine Therapie macht, rät
dringend: „Glauben
Sie auch nicht einen Augenblick lang, daß Sie allein mit dem
Problem fertig werden können! Sie schaffen es unmöglich
allein!”
Gien Lambert ist Drogenberater. Er hat beobachtet, daß jungen
Abhängigen aus einem religiösen Elternhaus oft
einzigartige Hindernisse im Weg stehen, die ihre Gesundung
erschweren. Jedesmal, wenn man sich über tiefverinnerlichte
Wertvorstellungen hinwegsetze, so sagt er, vervielfachten sich die
möglichen negativen Folgen. „Wenn ein Heiliger der
Letzten Tage oder ein junger Mensch mit einer anderen strengen
Religion sich über seine Wertvorstellungen hinwegsetzt, ist
alles viel schwieriger. Das Schuldgefühl ist auch
stärker.”
Aus diesem Grund ist ein frühes Eingreifen - wie man es in
Kursen gegen den Drogen- bzw. Alkoholkonsum lernt - vor allem in
einer HLT-Familie besonders wichtig. Lambert erklärt,
daß es drei Grundprinzipien gibt - die übrigens alle mit
den Evangeliumswahrheiten übereinstimmen -, an die Eltern sich
im Umgang mit einem drogenabhängigen Kind halten können:
Die Eltern haben ein Recht auf ein drogen- und alkoholfreies
Zuhause; wenn die Eltern den Verdacht hegen, daß ihr Kind
Drogen nimmt bzw. Alkohol trinkt, müssen sie es direkt darauf
ansprechen und ihm helfen; das Kind muß die Folgen tragen,
die falsche Entscheidungen mit sich bringen.
Natürlich gibt es keine Therapiemethode mit Erfolgsgarantie,
so wie es auch keine Vorbeugung mit Erfolgsgarantie gibt, aber die
drei genannten Prinzipien haben Bruder und Schwester Bond geholfen.
Als sie sich das Problem ihres Sohnes bewußtgemacht hatten,
handelten sie sofort konsequent, ohne dabei allerdings die Liebe zu
vergessen. Bruder Bond sprach ruhig und liebevoll mit Mike und
sagte ihm, daß er den Drogenkonsum in seinem Haus auf keinen
Fall gestatten werde.
Als Mike weiterhin Drogen nahm, wandten Bruder und Schwester Bond
jedes erdenkliche Mittel an, um ihn davon wegzubringen und
fernzuhalten: sie informierten sich über Drogen, sie sprachen
mit der Schule über Mikes Problem und baten darum, über
verdächtiges Benehmen informiert zu werden; sie versuchten
herauszufinden, was Mike nahm und woher er es bekam, und sie
stellten Regeln für Mike auf, von denen sie nicht abwichen.
Und bei all dem ließen sie Mike immer wieder wissen,
daß sie deshalb bereit waren, so viel zu tun, weil sie ihn
sehr liebten.
Bruder Bond berichtet: „Ich habe ihm einfach gesagt: Ich habe
dich zu lieb, um dabei zuzuschauen. Du hast deine
Entscheidungsfreiheit. Aber ich habe auch meine
Entscheidungsfreiheit.”
Einmal, als Mike gesagt hatte, er nehme keine Drogen mehr, seine
Eltern aber herausfanden, daß das nicht stimmte, handelte
Bruder Bond sofort und konsequent.
„Ich fragte Mike, wer ihm die Drogen verkaufe, aber er wollte
es mir nicht sagen. Daraufhin versicherte ich ihm: ,Ich werde es
herausfinden, und wenn ich es herausgefunden habe, werde ich den
Betreffenden bis an die Grenze der Legalität verfolgen. Und
wenn ich einen Privatdetektiv anheuern muß, um
herauszufinden, wer dir Drogen verkauft, dann werde ich auch das
tun.' Ich glaube, Mike hat sich das zu Herzen genommen; meiner
Meinung nach nimmt er seitdem keine Drogen mehr.”
Vielleicht macht es Eltern Angst, eine ausgesprochene Warnung auch
wirklich wahrzumachen, weil sie befürchten, daß sich ihr
Kind noch weiter von ihnen entfernt. Mike war wütend, weil
seine Eltern eingriffen, und ihr Verhältnis zueinander
verschlechterte sich beträchtlich. Aber der zeitweilige
Kommunikationsstillstand war das Ergebnis wert: ein Sohn, der keine
Drogen mehr nahm.
Familie Mitchell mußte viel länger kämpfen als
Bruder und Schwester Bond, aber auch ihr Sohn kam von seiner
Abhängigkeit los und führt jetzt ein produktives Leben
als Ehemann, Vater und treues Mitglied der Kirche. Er hatte mit dem
Alkoholkonsum begonnen, als er vierzehn war. Im Laufe der Jahre
wurde seine Abhängigkeit immer stärker; sie
zerstörte seine Ehe und führte dazu, daß er seine
Familie und seinen Arbeitsplatz verlor. Vor vier Jahren - nach
fünfzehnjähriger Abhängigkeit - begann er eine
Therapie, die er erfolgreich abschloß. Bruder Mitchell
glaubt, daß er und seine Frau ihrem Sohn eher hätten
helfen können, wenn sie das Problem schneller erkannt
hätten und konsequenter damit umgegangen wären.
„Wir wollten es überhaupt nicht glauben, daß unser
Sohn alkoholkrank war. Sie wissen ja, man will immer das glauben,
was das Kind einem erzählt, weil man eben genau das hören
will. Wir bezahlten seine Geldstrafen und die Anwaltskosten. Wir
sagten: ,Dieses eine Mal helfen wir dir noch.' So ging das
über Jahre.”
Als ihr Sohn dann eine Therapie machte, lernten Bruder und
Schwester Mitchell, daß ein Abhängiger nur dann
aufhört, wenn er mit den Folgen seines Verhaltens konfrontiert
wird. „Man muß dem Betreffenden helfen, die Folgen
seiner Abhängigkeit zu sehen”, sagen sie. „Und je
eher das der Fall ist, desto eher wird er wahrscheinlich auch
aufhören. Er muß einsehen, daß das Vergnügen
des Konsums nicht den Schmerz wert ist, der darauf
folgt.”
Eltern, die vermuten, daß ihr Kind Drogen nimmt, dürfen
nicht auf den Beweis dafür warten, ehe sie ihr Kind darauf
ansprechen, wie groß ihre Angst auch sein mag.
Es könnte sein, daß Eltern, die nicht gut mit ihren
heranwachsenden Kindern sprechen können, erst einmal die
Beziehung zu ihren Kindern überprüfen müßten,
sagt Susan Asher, die ebenfalls Drogenberaterin ist.
„Es kann sein, daß man erst einmal wieder den Kontakt
zum Kind herstellen und ihm Liebe, Sorge und Nähe vermitteln
muß. Man kann nicht mit einem Kind sprechen, mit dem man seit
Jahren nicht mehr geredet hat - außer, um es zu kritisieren -
und dann erwarten, daß es offen zu einem ist.”
Das Verhalten des Kindes verstehen
Ein abhängiger Jugendlicher kann die Geduld seiner Eltern auf
eine harte Probe stellen. Fast immer versucht er, sie zu
täuschen, etwas vor ihnen zu verheimlichen oder sie zu
manipulieren. Außerdem ist er meistens aufsässig. Mike
Bonds Vater sagt, Mike sei während der Zeit, wo er Drogen
genommen habe, ein anderer Mensch gewesen, nach dem Aufhören
aber wieder er selbst geworden. Ein Jugendlicher, der Drogen nimmt,
behauptet oft, das würde überhaupt nichts bedeuten.
Außerdem gibt er oft vor, aufgehört zu haben, oder sagt,
das Drogenbesteck, das seine Eltern gefunden haben, gehöre
einem Freund. Er sagt seinen Eltern, was diese hören
wollen, und bringt sie oft dazu, nichts zu unternehmen.
Fast immer ändern sich die Wertvorstellungen eines Menschen,
wenn er sich immer tiefer in den Drogenkonsum verstrickt. Zuerst
beginnt ein Teenager zu lügen und dann zu stehlen, wenn es
nötig ist. Schließlich sagt er sich von allem los, was
ihm einmal wichtig war, in dem völlig egoistischen Betreiben,
seine Abhängigkeit nicht aufgeben zu müssen.
Gefühle versehen
Niemand, dessen Kind auf Abwege geraten ist, kann sich der Frage
entziehen, inwiefern er zu den Schwierigkeiten des Kindes
beigetragen hat und wie er sie hätte verhindern können.
Die Eltern fühlen sich vielleicht in hohem Maße
schuldig. Manche geben die Schuld ihrem Ehepartner oder den
Freunden des Kindes. Andere leugnen das Problem einfach. Zorn ist
auch eine weitverbreitete Reaktion; so reagieren vor allem Eltern,
die meinen, alles in ihrer Macht Stehende getan zu haben, um ihr
Kind mit den Wertvorstellungen des Evangeliums aufzuziehen.
In manchen Fällen haben die Eltern wirklich schwerwiegende
Fehler begangen, vor allem dann, wenn sie ihr Kind körperlich
oder seelisch mißhandelt haben. Solche Eltern müssen
umkehren und Wiedergutmachung leisten. Aber für die meisten
Eltern gilt: Es hat keinen Zweck, sich ständig über die
ehrliche Selbsteinschätzung hinaus Gedanken wegen der
Vergangenheit zu machen.
Sogar die jungen Menschen, die von den Drogen losgekommen sind,
geben sich fast immer selbst die Schuld an ihrem Verhalten.
„Ich gebe nicht meinen Eltern die Schuld für alles, was
ich getan habe”, sagt Dave Nelson. „Das wäre zwar
bequem, aber meine Mutter hat mir ja nicht die Marihuanazigarette
zwischen die Lippen gesteckt und sie angezündet.”
Die Eltern brauchen Hilfe
Verwandte, Freunde,
Nachbarn und Gemeindemitglieder können einer Familie, die mit
dem Drogenkonsum konfrontiert ist, sehr helfen, ihr aber auch
großen Schmerz zufügen. Eine Familie mußte
beispielsweise feststellen, daß die Gemeindemitglieder nur
Kritik anzubringen hatten, aber nicht halfen. „Manche sagten
uns, wir seien zu streng; andere sagten, wir seien zu
nachgiebig”, erzählt die Mutter. „Eine ganze Weile
wären wir fast verzweifelt und am liebsten gar nicht zur
Kirche gegangen, weil wir das Gefühl hatten, alle seien gegen
uns.”
„Die Mitglieder müssen sich bewußtmachen,
daß sie den betreffenden Jugendlichen und seine Eltern nicht
wie die Pest meiden dürfen”, sagt ein Vater, der in
seiner Familie den Drogenkonsum erlebt hat. „Sie sollen
vielmehr auf die Betreffenden zugehen und sie ihrer Liebe
versichern. Außerdem sollen sie einfach nur zuhören,
wenn der Betreffende über seine Empfindungen
spricht.”
Bruder und Schwester Fisher konnten sich darauf verlassen,
daß die Gemeinde ohne Vorbehalte zu ihnen stand. „Ich
habe in der Zeugnisversammlung gesagt, daß ich die Mitglieder
brauche, damit sie mit mir für meinen Sohn beten, und die
Reaktion war einfach überwältigend. Die Mitglieder
schreiben Briefe und bemühen sich besonders, mit Jason zu
sprechen, wenn er zur Kirche kommt.”
Jason selbst sagt, er habe mit dem Gedanken gespielt, Selbstmord zu
begehen, sich dann aber doch anders besonnen, weil er gewußt
habe, daß es Menschen gab, die ihn liebten. Er hat seinen
Eltern gesagt, daß ihre Gebete und die Gebete der
Gemeindemitglieder ihn beschützt hätten und daß er
nur deshalb noch am Leben sei.
Der größte Trost
Eltern, die mit diesem Problem zu kämpfen hatten oder noch zu
kämpfen haben, sagen, wie sehr sie den Herrn lieben und wie
dankbar sie für den Trost und die Führung des Evangeliums
sind. Der Herr hat verheißen, daß er diejenigen, die
„voll Glauben bitten und nicht zweifeln” (Jakobus
1:5,6), in reichem Maß mit Weisheit segnen und niemandem
einen Vorwurf machen wird. Außerdem hat er ihnen Erkenntnis
verheißen. (Siehe LuB 9:8,9.) Viele Eltern sagen, sie
hätten sich auf den Herrn verlassen und im Umgang mit ihrem
schwierigen Kind Inspiration, Führung und Trost
erhalten.
Mit zum Wichtigsten, was das Evangelium den Eltern schenkt,
gehört die Hoffnung - die Hoffnung darauf, daß ihr Kind
zurückkehrt, die Hoffnung auf die heilende Kraft des
Sühnopfers Jesu Christi.
„Es kann sein, daß eine Familie jahrelang mit diesem
Problem ringt, und zwar trotz allen Betens und Fastens und allem,
was man tun muß, um eine Antwort zu erhalten", sagt Bruder
Mitchell. „Geben Sie die Hoffnung dennoch nicht auf, und
verlieren Sie nicht den Glauben, denn manchmal dauert es einfach
länger.”
Für Schwester Fisher haben sich die Früchte ihres
Glaubens noch nicht vollständig gezeigt, und ihr ist klar,
daß ihr Sohn sich vielleicht niemals vollständig von dem
Weg abwendet, für den er sich entschieden hat. Aber trotzdem
weigert sie sich, aufzugeben.
„Ich werde die Hoffnung nie aufgeben. Niemals.”
Sue Bergin, August 1990
Sue Bergin ist Journalistin. Sie wohnt in Provo,
Utah.
Was man tun darf und was man nicht tun darf
Im folgenden finden Sie Anregungen von Eltern und
Therapiespezialisten
Was man tun darf
*Fragen Sie sich einmal ernsthaft, ob Sie möglicherweise
medikamentenabhängig sind oder auf bestimmte Nahrungsmittel
oder Getränke nicht verzichten können.
* Seien Sie bereit, sich im Bedarfsfall außerhalb der Familie
um Hilfe zu bemühen.
*Sprechen Sie so ehrlich, wie es angebracht ist, mit Nachbarn,
Gemeindemitgliedern und Freunden über das Problem, wenn diese
Fragen stellen.
*Informieren Sie sich auf jede mögliche Weise über Ihr
Kind - durch seine Freunde, durch andere Eltern, durch Lehrer und
durch die Schule.
*Gehen Sie so mit dem Problem um, wie es der Persönlichkeit
und den Bedürfnissen Ihres Kindes entspricht.
*Hören Sie Ihrem Kind zu, und versuchen Sie, seine
Empfindungen zu verstehen.
*Schließen Sie sich mit anderen Eltern zusammen, die Kinder
im gleichen Alter haben, und legen Sie gemeinsam Regeln fest;
halten Sie sich dann alle konsequent an diese Regeln.
*Informieren Sie sich über Drogen.
*Gehen Sie weiterhin in den Tempel, und nehmen Sie Ihre Berufungen
in der Kirche wahr.
*Lassen Sie sich von den Evangeliumsgrundsätzen und den
Mitgliedern Kraft, Trost und Führung schenken.
Gestehen Sie sich ehrlich jede Mitschuld am Verhalten Ihres Kindes
ein; bleiben Sie aber nicht an diesem Punkt stehen, sondern wachsen
Sie darüber hinaus.
*Wählen Sie bei Bedarf sorgfältig ein Therapieprogramm
für Ihr Kind aus, das unter Umständen auch die gesamte
Familie einbezieht.
*Zeigen Sie Ihrem Kind, daß Sie es trotz seines Verhaltens
liebhaben und akzeptieren.
*Sagen Sie, daß Sie strikt gegen den Drogen- und
Alhoholkonsum sind; versichern Sie Ihrem Kind aber, daß es
Ihnen wichtig ist.
* Lassen Sie ein abhängiges Kind die Folgen seines Verhaltens
spüren.
Was man nicht tun darf
*Sie dürfen nicht überreagieren oder hysterisch werden,
wenn Sie feststellen, daß Ihr Kind Drogen nimmt oder Alhohol
trinkt.
*Gehen Sie nicht davon aus, daß sich das Problem schon von
allein lösen wird.
*Schützen Sie Ihr Kind nicht vor den Folgen seines
Verhaltens.
*Lassen Sie nicht zu, daß die Schwierigkeiten eines Kindes
die ganze Familie beherrschen und aufzehren.
Lassen Sie nicht zu, daß der Drogen- oder Alkoholkonsum Ihres
Kindes einen Keil zwischen Sie und Ihren Ehepartner treibt.
*Seien Sie nicht erleichtert, wenn Ihr Kind nur Alkohol trinkt,
aber keine Drogen nimmt.
*Tadeln Sie Ihr Kind nicht, und schelten Sie es auch nicht in einem
fort.
*Sagen Sie nicht: „Was die Leute nur denken
werden.”
*Werden Sie nicht selbstzufrieden, wenn Ihr Kind das Problem
bewältigt hat - es kann immer wieder auftreten.
Woran man erkennt, ob ein Kind Drogen nim
*Nachlassende Leistungen in der Schule
*Neue Freunde
*Blutunterlaufene Augen
*Spätes Heimkommen und häufige Abwesenheit von zu Hause
*Nach dem Heimkommen sofortiger Gang in das eigene Zimmer
*Häufiges Kaugummikauen und Verwenden von Parfüm (um den Geruch von Drogen oder Alkohol zu überdecken)
*Ausweichendes, defensives Antworten auf Fragen
*Zunehmende Erschöpfung
*Verschwinden von Geld
*Zunehmendes Schuleschwänzen
*Zunehmend schlechter werdende Konzentrationsfähigkeit
*Gewichts- und Appetitsveränderungen
