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Neun Schachteln am Tag Gab es noch eine Rettung? – von Jan Mussman  Verfasst: Donnerstag, den 07. Februar 2008 20:15

Ich wünschte, ich könnte den beiden Missionaren, die uns 1964 besuchten, sagen, daß wir tatsächlich an ihre Botschaft glaubten. Sie wollten jedoch, daß wir mit dem Rauchen aufhörten. und die Qual. eine einzige Stunde ohne Zigaretten zu sein, machte den Preis, den wir für die Erlösung bezahlen sollten, zu hoch. Mein Mann Bill verbrauchte jeden Tag sechs Schachteln Zigaretten, ich drei - eine unglaubliche Menge. Die Zigaretten hinderten uns daran, das Evangelium anzunehmen. Dies war damals, 1964 Inzwischen hat uns der Vater im Himmel Schritt für Schritt geholfen, uns zu ändern. 1975 wurden wir getauft.

Es blieb uns nichts anderes übrig, als den Kampf gegen das Rauchen aufzunehmen. Obwohl Bill doppelt soviel rauchte, war es doch ich, die nach einiger Zeit so heftige Brustschmerzen bekam, daß ich sie nicht einfach unbeachtet lassen konnte. Ich konsultierte einen Arzt, der vielen meiner Bekannten geholfen hatte, das Rauchen einzuschränken, und bat ihn, einen entsprechenden Plan für mich aufzustellen. Als mich die Arzthelferin in sein Sprechzimmer führte, studierte er gerade die Röntgenaufnahme von meinem Brustkorb.

„Mrs. Mussman“, fragte er, ohne aufzublicken. „haben Sie zufällig Zigaretten bei sich?“

„Zwei Päckchen," antwortete ich schüchtern.

Als er aufblickte und mich anschaute, wurde der Klang seiner Stimme ernst. „Bitte werfen Sie sie in den Papierkorb dort. Als Ihr Arzt muß ich Sie darauf aufmerksam machen, dass Ihre Lunge das Rauchen nicht mehr verträgt.“

,.Aber Herr Doktor“. sagte ich bittend. ,.Ich bin doch gekommen, damit Sie für mich einen Plan aufstellen, wie ich das Rauchen einschränken kann!“

,,Keine Zigaretten mehr —- das ist Ihr Plan!“ Die tiefe Stimme sprach mit immer größerem Nachdruck, „Ich meine es ernst! Wenn Ihnen überhaupt etwas an Ihrem Mann und Ihren Kindern liegt, werden Sie keine einzige Zigarette mehr. anrühren!“

Als ich den Motor meines Autos zündete und nach Hause fuhr, traten mir Tränen in die Augen. Ich konnte nicht mit dem Rauchen aufhören, und ich wußte es. Ich hatte es schon zu oft versucht. Ich war dankbar, daß Bill gerade geschäftlich verreist war, denn ich brauchte Zeit zum Nachdenken. Als ich zu l lause ankam, setzte ich mich an den Küchentisch und grübelte über das Dilemma nach. Automatisch steckte Ich mir eine Zigarette an. Als sollte ich einen Fingerzeig erhalten, klingelte das Telefon, Es war Bill. Er rief aus New York an.

„Jan“, sagte er, „Ich habe den Doktor angerufen, und ich habe erfahren ...“ Er brach ab, als er mich den Zigarettenrauch ausatmen hörte. ,,Du rauchst ja!“ rief er aus.

„Du rauchst ja! Du rauchst Ja!“ ahmte ich sarkastisch nach, „Du kommst dir wohl sehr schlau vor. Bill, oder? Dir hat auch kein Arzt gesagt, daß du das Rauchen aufgeben mußt!“

Es entstand eine lange Pause, dann sagte Bill: „Ich bin morgen zu Hause. Laß uns beide unsere Zigaretten ausmachen und uns gegenseitig versprechen, daß wir 24 Stunden lang nicht rauchen werden.“ Ich versprach es und löste dieses Versprechen ein, obwohl ich bis heute noch nicht weiß, wie ich das geschafft habe. Ich kann mich aber immer noch erinnern, wie Bill am nächsten Tag die Tür aufmachte und mir die Arme entgegenstreckte. „Wir werden zusammen mit dem Rauchen aufhören“, sagte er. „Wir wollen nie wieder rauchen“ Unsere Umarmung kam einer Feierlichkcit gleich, aber die augenblickliche Begeisterung wir sogleich wieder vorüber. Die nächsten Wochen waren nicht nur schwierig, sondern geradezu grauenhaft. Benommen und mit glasigen Augen gingen wir umher; die Hände zitierten unaufhörlich. Wir waren missgestimmt. und reizbar, und oft war ich nahe daran aufzugeben. Bill ertrug diesen tagelang anhaltenden Dämmerzustand indessen, ohne zu schwanken, und sein Vorbild machte mir jedesmal wieder Mut. Es war ein überwältigendes Unternehmen, diese Gewohnheit zu überwinden, die eine solche Gewalt über uns hatte Unseren Erfolg kann ich nur der Tatsache zuschreiben, daß bei Gott alles möglich ist (Markus 10:27). In Wahrheit dauerte es fast zwei Jahre, bis ich zu glauben wagte, daß wir wirklich frei davon waren ‑daß wir die Abhängigkeit vom Tabak überwunden halten.

Dies war allein schon ein Wunder und hinreichender Lohn für unsere Anstrengungen, aber es sollten noch mehr Segnungen kommen. Während dieser beiden Jahre war unsere wechselseitige Liebe und Dankbarkeit und die Liebe und Dankbarkeit unserem Vater im Himmel gegenüber viel tiefer und schöner geworden als je zuvor. Wir waren körperlich und geistig stärker geworden und uns gegenseitig nähergekommen. Diese heilsame Einmütigkeit war eine der größten Segnungen für unsere Ehe, und wir waren außerordentlich dankbar dafür. Es gab aber noch mehr: Beim Aufgeben des Rauchens stellten wir fest, daß es notwendig war, auch auf Kaffee und Tee zu verzichten, denn diese Genußmittel schienen zu sehr mit unserer Gewohnheit verbunden. Dadurch, daß wir uns von Kaffee und Tee frei machten, fanden wir wiederum die Kraft, auch mit dem Alkohol fertig zu werden. Noch wertvoller jedoch als die innere Befriedigung. die wir darin fanden, daß wir über unser Fleisch siegten, waren die Gaben, die wir durch unsere beiden kleinen Kinder erlangten, die inbrünstig für uns beteten. 

Ich glaube, daß Bill und Ann ‑so heißen unsere Kinder ‑ wegen unserer Probleme und weil sie soviel für uns beteten. nie in Versuchung gerieten, zu rauchen, Alkohol zu trinken oder Drogen zu nehmen. Auch bin ich davon überzeugt, daß sie durch ihr Beten dem Vater im Himmel nahe blieben. Dadurch waren sie allerdings anders als die meisten ihrer Freunde. ja, sie unterschieden sich so sehr von ihnen, daß ich mich fragte, ob sie jemals Freunde und Kameraden würden finden können, die ihre Anschauung und ihre Lebensweise teilen würden.

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Als die Kinder älter wurden, machte ich mir noch mehr Sorgen um ihr Wohl und betete on um Hilfe. Anfang 1973 brachte ich schließlich drei Tage hauptsächlich damit zu. den Vater im Himmel um Führung anzuflehen. Ich betete darum, daß er mir einen Hinweis gäbe. Am dritten Tag klingelte es, und zwei Mormonenmissionare standen vor der Tür. Sie machten ein überraschtes Gesicht, als ich sie eifrig bat; einzutreten. Dies war unsere zweite Chance, das Evangelium anzunehmen, und diesmal waren wir bereit. An einem herrlichen Tag im Mai 1975 wurden wir vier getauft.

Nach der Taufe mußten wir uns auch auf anderen Gebieten ändern. Alle Mitglieder der Kirche, die danach streben, dem Vater im Himmel näherzukommen, machen diese innere Wandlung durch. Jetzt, nach drei Jahren, lassen wir keine Gelegenheit aus zu sagen, wie sehr wir die Kirche lieben, wieviel uns unsere Berufung darin bedeutet und wie tief unsere gegenseitige Liebe in einer ewigen Familie ist.

Februar 1979

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