Es ist jetzt fünf Jahre her, daß ich zum letztenmal Kaffee trank, aber manchmal erinnert mich sein Geruch an die Jahre, in denen ich ihn in solchen Mengen trank, daß ich es noch heute kaum glauben kann. Mein Tag begann gewöhnlich mit einer Tasse Kaffee, da ich mir sagte, ich brauchte einen Energiestoß, um meinen Aufgaben als Mutter und Hausfrau gerecht zu werden. Nach dieser ersten Tasse brauchte ich kaum noch Ausreden für eine weitere Tasse, denn entweder kamen meine Mutter oder eine Freundin zu Besuch, oder ich war der festen Meinung, ich hätte unbedingt eine Tasse Kaffee nötig, um meine Energie zu mobilisieren oder mich zu entspannen. Ich trank eine Tasse nach der anderen. Und so wie ich mir einredete, ich müßte den Tag mit Kaffee beginnen, so redete ich mir ein, ich müßte ihn mit Kaffee schließen. Ich wußte einfach, daß ich ohne meine Tasse Kaffee vor dem Zubettgehen nicht würde einschlafen können, obwohl mir mein Verstand sagte, daß Kaffee anregend wirkte — hatte ich nicht deshalb den ganzen Tag über so viel getrunken? Ich kam nie auf den Gedanken, daß so viel Kaffee schädlich für meine Gesundheit war.
Ich war mir dessen nie bewußt bis zu dem Tag, an dem zwei Missionare an meine Tür klopften und ich das Evangelium kennenlernte. Ich nahm bereitwillig ihre Botschaft und ihre Aufforderung zur Taufe an. Aber wenn ich getauft werden wolle, so erklärten sie mir, müßte ich auch das Wort der Weisheit annehmen, und das bedeutete: keinen Kaffee mehr!
Irgendwie kam diese Herausforderung nicht völlig überraschend für mich, und so war ich bereit, sie anzunehmen, Mein Mann und meine Töchter waren allerdings sehr überrascht. Sie wußten, daß Kaffee ein fester Bestandteil meines Lebens war, und sie waren davon überzeugt, daß ich niemals damit aufhören würde. Aber in mir war eine Veränderung vorgegangen. Mit der Annahme der Evangeliumsbotschaft hatte ich auch alle Vorschriften akzeptiert. Dabei fühlte ich, wie in meinem Leben Ruhe einkehrte, und ich wußte, daß mir der Herr helfen würde, seine Gebote zu halten. Natürlich war es nicht einfach, mit dem Kaffeetrinken aufzuhören. Mein Körper harte sich so daran gewöhnt, daß ich mich noch eine Woche, nachdem ich damit aufgehört hatte, ganz schwach in den Knien und Armen fühlte. Aber mit der Hilfe des Herrn hatte ich kein Verlangen mehr nach Kaffee. Mich zog es überhaupt nicht mehr zur Kaffeekanne hin. Es war ein herrliches Gefühl, und mehr als einmal dankte ich dem Herrn auf Knien für seine Hilfe und die Stärke, die er mir gegeben hatte. Die Missionare besuchten mich regelmäßig, um zu sehen, wie es mir ginge, und um mir Mut zuzusprechen und meine Familie, die mich aufmerksam beobachtete, war immer wieder erstaunt zu hören, wie gut ich mich fühlte. Heute kann ich auf fünf glückliche Jahre zurückblicken. Ich habt nicht nur die Energie, um meiner Aufgabe als Ehefrau und Mutter gerecht zu werden, sondern ich habe auch in eine Reihe von Kirchenberufungen dienen können. Wenn ich mich einmal körperlich müde fühle — das passiert allerdings sehr selten —, bin ich doch geistig immer bereit, mehr zu tun, und das hält mich jung. Ist es nun verwunderlich, daß ich ein Zeugnis vom Wort der Weisheit habe und auch vom Evangelium, durch das ich es kennengelernt habe?
Schwester Vitaloni ist Pfahl-FHV-Leiterin im Pfahl Mailand.
