Eines Sonntags saß ich mit meinen Zigaretten und der üblichen Flasche Wein vor dem Fernseher, als es an der Tür läutete. Ich machte auf und sah zwei junge Männer in blauen Anzügen und mit Namensschildern, die sie als Missionare auswiesen. Das Zimmer, in das ich sie führte, war voller Qualm und roch nach Alkohol, aber das schreckte sie nicht ab, und sie begannen, mir über meinen Glauben Fragen zu stellen. Ob ich an Gott glaubte?
Ich fing an zu überlegen. Obwohl ich als kleiner Junge getauft worden war, bin ich nie regelmäßig zur Kirche gegangen — ich dachte, Religion sei das nicht wert. Ich glaubte dafür an mein Gewissen und daran, daß man seinen Mitmenschen gegenüber ehrlich sein soll. Und dennoch war ih über mich selbst erstaunt, als ich diese Frage mit Ja beantwortete. Als sie fortfuhren und mich über Joseph Smith und die Wiederherstellung belehrten, schien es, als hätte ich diese Worte schon einmal gehört. Ein unbeschreibliches Gefühl kam über mich, und ich verspürte Liebe für diese jungen Männer. Als sie ein Gebet sprachen, fing ich zu weinen an, und mein Herz schien vor Glück bersten zu wollen.
Wir machten einen Termin für den nächsten Dienstag aus, und in der Zeit, die dazwischen lag, lief mein Leben noch einmal wie ein Film vor mir ab. Bis zu meinem zwanzigsten Lebensjahr hatte ich keinen Tropfen Alkohol angerührt. Aber dann machte ich aufgrund eines geschäftlicher Mißerfolges und finanzieller Schwierigkeiten eine tiefe persönliche Krise durch. Sie wurde dadurch noch verschärft, daß meine Frau krank wurde und es zwei Jahre dauerte, bis sie in einem weit entfernten Krankenhaus wieder gesund wurde. Ich suchte Trost im Alkohol, und schon nach kurzer Zeit fing ich an, große Mengen scharfer Getränke von morgens bis abends zu konsumieren. Dazu kamen noch etwa 70 bis 100 Zigaretten pro Tag. Man kann sich vorstellen, dass meine körperliche Verfassung allmählich so schlecht wurde, daß ich mir darüber Gedanken machte.
Schließlich ging ich in ein Krankenhaus, um eine Entziehungskur zu machen, aber die Ärzte konnten mir nicht helfen, und ich wurde noch depressiver. Ich hatte eine gute Arbeit und eine wunderbare Familie, aber ich musste von dieser Sucht loskommen. In meiner Verzweiflung ergab ich mich noch mehr dem Alkohol, bis ich sogar soweit war, daß ich einen Selbstmordversuch unternahm. Ich suchte Hilfe in einer Privatklinik, aber ich konnte mir die Behandlung nicht leisten. Zu diesem Zeitpunkt traten Eider Sorenson und Eider Waterman in mein Leben.
Als sie
zum zweitenmal zu mir kamen, sprachen die beiden Missionare
über vieles, was mir neu war und wovon ich zwar nicht
wußte, ob es wahr war, was ich aber
gefühlsmäßig für
Als sie mir vom Wort der Weisheit erzählten, sank mir der Mut, und ich meinte: „Sagen Sie mir, wie ausgerechnet ich den Alkohol aufgeben kann, wo ich doch schon alles versucht habe und es mir nicht gelungen ist, davon loszukommen." Sie fragten mich, ob ich an Gott glaubte und an das, was sie mit mir besprochen hatten, und ob ich Vertrauen zum Herrn hätte. Ich antwortete mit Ja.
„Gut", sagten sie, „^Wenn Sie auf uns hören, helfen wir Ihnen, und der Herr wird Ihnen die Kraft geben, Ihr Problem zu bewältigen." „Dafür werde ich unendlich dankbar sein", erwiderte ich. Diese Aufmunterung erfüllte mich mit Freude, mit Hoffnung und mit Glauben, und in meinem Herzen verspürte ich wirklich den Wunsch, ihrer Führung zu folgen. Als ich betete, bekam ich immer mehr Selbstvertrauen, und an diesem Morgen gab ich mir mit neuem Mut das Versprechen, daß ich nie mehr Kognak trinken würde. Und ich konnte dieses Versprechen halten, obwohl ich sehr litt. Mit Hilfe der Missionare und durch Demut konnte ich allmählich meinen Konsum an Zigaretten und Alkohol herunterschrauben. Es war nicht leicht, aber ich fühlte, daß mir der Herr nahe war und half. Ich wußte, daß ich meinen Teil tun mußte, daß ich aber in dieser Prüfungszeit nicht allein sein würde. Nach eineinhalb Monaten schaffte ich es, mein Problem zu überwinden. Als ich endlich von meiner Sucht befreit war, fühlte ich mich zur Taufe bereit. Am 28. Dezember 1977 wurde ich zusammen mit meiner Frau getauft. Ich tauchte als körperlich und geistig erneuerter Mensch aus dem Wasser der Taufe auf und wußte, daß der Herr unsere Sünden vergißt, wenn wir wahrhaft Umkehr üben. Ich kann es nicht beschreiben, was für eine Freude es war, mein altes Ich abzulegen und voll Selbstvertrauen und Liebe für meine Mitmenschen von neuem geboren zu werden. Ich verspürte den mächtigen Wunsch, all die verlorene Zeit aufzuholen und dem Herrn meine Dankbarkeit dadurch zu zeigen, daß ich alle seine Gebote befolgte.
Nach der Taufe besserte sich mein Gesundheitszustand von Tag zu Tag. Zuerst wachte ich morgens immer noch von Schmerzen geplagt auf. Das Aufstehen bereitete mir Qualen. Aber nach einem Gebet konnte ich ruhig an meine Arbeit gehen, bis es Abend wurde und die Probleme wiederkehrten. Doch eines Morgens stand ich auf und merkte, daß ich endlich keine Schmerzen mehr hatte. Von dieser Zeit an waren meine Probleme nicht mehr vorhanden.
Nachdem wir ein Jahr lang Mitglieder waren, konnten wir in den Tempel gehen, wo meine Frau und unsere drei Töchter an mich gesiegelt wurden. Nun sind wir wirklich als Familie vereint. Ich bin mit einer Reihe von anspruchsvollen Berufungen in der Kirche gesegnet worden und kann bezeugen, daß für einen Menschen mit Demut und Glauben an den Herrn nichts unmöglich ist. Ich weiß auch, wenn man das Wort der Weisheit befolgt, wird man mit Gesundheit und Kraft gesegnet — und mit dem Wunsch, diese Kraft in den Dienst des Herrn zu stellen.
Bruder Controzorzi ist Präsident des Zweiges
Mailand 1 im Pfahl Mailand.

loeffelswife
Di, den 26. Feb 2008 08:46