In der Medizin hat man nachgewiesen, daß Tabak- und Alkoholkonsum frühzeitig zum Tode führen oder aufgrund einiger Krankheiten der Herzkranzgefäße sowie durch Krebs, Emphysem, chronische Bronchitis und Leberzirrhose Invalidität hervorrufen kann. Weniger veröffentlicht wurden bisher Untersuchungen, bei denen nachgewiesen werden konnte, daß Tabak und Alkohol die Funktionen des Nervensystems beeinträchtigen können.
Eine brennende Zigarette ist wie eine Miniaturfabrik, die mehrere tausend Chemikalien ausstößt. Ein Raucher, der täglich eine Schachtel Zigaretten raucht, macht mehr als 50000 Züge pro Jahr. Auf diese Weise führt er lebenswichtigen Organen einschließlich des Gehirns zahlreiche Schadstoffe zu. Die Bestandteile, wie Nikotin, Kohlenmonoxyd und Wasserstoffzyanid, aus denen sich der Zigarettenrauch zusammensetzt, wirken sich auf das Nervensystem schädlich aus. Nikotin wirkt sowohl stimulierend als auch beruhigend, schädigt aber außerdem indirekt auch viele andere Organe. Es wird vermutet, daß bei der Sucht nach Tabakprodukten das Nikotin die wesentliche Rolle spielt. Kohlenmonoxyd ist ein Giftgas, das den natürlichen Ablauf des Sauerstofftransports zu den Zellen des menschlichen Körpers behindert. Zigarettenraucher haben 2 bis 15mal so viel Kohlenmonoxyd im Blut wie Nichtraucher. Selbst bei einem geringen Anstieg des Kohlenmonoxyds im Blut können die Denkfähigkeit bereits herabgesetzt und koordinierte Bewegungsabläufe beeinträchtigt werden.
Wasserstoffzyanid ist ein starkes Gift, das die Zellatmung hemmt und den Sauerstoffgehalt in den Zellen auf ein unzureichendes Maß herabsetzt. Bei einem Raucher besteht die erhöhte Gefahr, da6 sich seine Arterien im Herzen und im Gehirn verengen oder sogar verstopfen; dadurch wird das Gehirn nur noch unzureichend mit Sauerstoff versorgt, und dann können ganz plötzlich neurologische Störungen (Herzversagen) auftreten. Frauen, die rauchen und gleichzeitig die Pille nehmen, sind zwanzigmal so infarktgefährdet wie andere. Auch bei durch Rauchen oder chronische Bronchitis hervorgerufenen chronischen Lungenkrankheiten wird das Gehirn mit zu wenig Sauerstoff versorgt, so daß es einen zu hohen Kohlendioxydgehalt aufweist; die daraus entstehenden Gehirnstörungen können Stumpfsinn und Koma herbeiführen.
Gelangen die schädlichen Tabakstoffe in die Gebärmutter, so kann dadurch das Nervensystem des ungeborenen Kindes Schaden nehmen. Frauen, die während der Schwangerschaft rauchen, bringen kleinere Kinder zur Welt als nichtrauchende Mütter; die Wachstumsstörungen betreffen das ganze Kind einschließlich seiner Kopfgröße. Langzeitstudien haben gezeigt, da3 Kinder, deren Mütter während der Schwangerschaft geraucht haben, so- wohl in intellektueller und emotionaler Hinsicht als auch bezüglich ihres Verhaltens im Vergleich zu Kindern nichtrauchender Mütter in ihrer Entwicklung zurückgeblieben sind.
Eine Studie an mehreren tausend Frauen, die während ihrer Schwangerschaft rauchten, zeigte, daß ihre elfjährigen Kinder im Schreiben, Rechnen und der allgemeinen Lernfähigkeit in ihrer Entwicklung mehrere Wochen hinter solchen Kindern zurücklagen, deren Mütter während der Schwangerschaft nicht geraucht hatten.
Kurz gesagt, Tabakrauch beeinträchtigt die Struktur und Funktion des Nervensystems. Weiterhin enthält Tabakrauch zahlreiche bisher noch nicht genügend untersuchte Stoffe, von denen man vermutet, daß sie sich schädlich auf das Nervensystem auswirken. Die Frage, um welche Art Auswirkungen es sich hierbei handelt, kann bisher noch nicht beantwortet werden.
Im Gegensatz zu Tabak enthalten alkoholische Getränke nur einen einzigen Stoff, der medizinisch von Bedeutung ist: Äthanol. Es übt eine beruhigende Wirkung auf das Nervensystem aus. Äthanol beeinträchtigt die Lernfähigkeit, das Urteilsvermögen und trübt den Verstand. Eine akute Alkoholvergiftung kann unterschiedlich starke Symptome aufweisen und von undeutlichem Sprechen und unkoordinierten Bewegungen bis zum Koma oder sogar zum Tode führen. Bei Entzug von Alkohol können Zittern, Halluzinationen, plötzliche Anfälle und Tod durch Trauma, Infektion oder Kreislaufkollaps auf bzw. eintreten. Da Alkoholiker selten eine ausgewogene Ernährung haben, bekommen sie häufig Krankheiten wie Pellagra, Beri-Beri, Skorbut oder Anämie. Hierbei handelt es sich um ernährungsbedingte Mangelkrankheiten.
Störungen werden meistens bei den peripheren Nerven, an der Wirbelsäule und im Gehirn beobachtet. Bei Alkoholikern treten falsch interpretierte Nervenkrankheiten auf, die einen teilweisen oder allgemeinen Gehirnschwund zur Folge haben.
In den letzten Jahren hat man viele Erkenntnisse über die schädliche Wirkung des Alkohols auf das ungeborene Kind gewonnen. Am schlimmsten betroffen sind Babys von Alkoholikerinnen: diese Kinder kommen mit einer geistigen Behinderung und zahlreichen anderen Schäden zur Welt. Da man nicht feststellen kann, bis zu welchem Grad der Alkohol für das Kind unschädlich ist, raten die Ärzte den Frauen, während der Schwangerschaft Alkohol generell zu meiden.
Sowohl Tabak als auch Alkohol sind Suchtmittel. Die Mehrheit der Raucher würde gern mit dieser Angewohnheit aufhören, aber weniger als zwanzig Prozent all derer, die es derzeit versuchen, schaffen es auch wirklich. Die Erscheinungen, die bei Tabakentzug auftreten, sind ein starkes Verlangen nach Tabak, Ruhelosigkeit, Schlafstörungen und ein verlangsamter Puls. Die Denkfähigkeit wird herabgesetzt, und es sind alternierende Gehirnwellen zu beobachten. Die physiologischen Veränderungen legen sich innerhalb weniger Tage, doch die psychologische Abhängigkeit kann viel länger anhalten.
Da Tabak- und Alkoholkonsum den Verbraucher süchtig machen, fordern diese Konsumgüter in emotionaler, sozialer und geistiger Hinsicht einen sehr hohen Preis.
Zusammenfassend läßt sich sagen, daß Tabak und Alkohol schädlich auf das Nervensystem des Fötus, des Kindes und des Erwachsenen wirken. Wer diese Konsumgüter meidet, dessen Gehirn wird wahrscheinlich besser arbeiten und er wird .Weisheit und große Schätze finden' (LuB 89:19.) .
