Die Heiligen der Letzten Tage verstehen sich heute ebenso als Vertreter des Herrn wie sein Volk In biblischen Zeiten von Adam an bis zu der Zeit, als der Herr selbst seine Jünger erwählte Wahrheiten, die dem Bundesvolk auch früher schon bekannt waren, wurden durch Offenbarung an den Propheten Joseph Smith noch deutlicher gemacht. Ein Beispiel hierfür ist die Offenbarung, die wir als Wort der Weisheit kennen und die uns am 27. Februar 1833 gegeben wurde.
Inspirierte Propheten erhielten zu allen Zeiten sowohl Gesetze für ihr zeitliches Wohlergehen als auch die Erkenntnis, die die ewige Errettung bewirkt. So hat der Herr schon vorher, aber im Hinblick auf diese Offenbarung, sowohl die zeitliche als auch die geistige Errettung betont. „Für mich ist alles geistig, und niemals habe ich euch ein Gesetz gegeben,das zeitlich ist. ...,denn meine Gebote sind geistig," (LuB 29:34,35.) Den Israeliten wurden Essensvorschriften unter anderem deshalb gegeben, weil sie unter besonderen Umständen lebten. Neben dem Gesetz des Mose war das Verhalten von Daniel und seinen Freunden ein herausragendes Beispiel. Während ihrer Gefangenschaft durften sie anstelle der ,,Speisen des Königs" und des babylonischen Weines pflanzliche Nahrung zu sich nehmen. Sie waren gesünder als alle anderen, und Gott verlieh ihnen „Wissen und Verständnis in jeder Art Schrifttum und Weisheit" (Dan 1:17).
Wenn das Wort der Weisheit der heutigen Zelt befolgt wird, bringt dies zeitliche und geistige Segnungen mit sich. Wenn man sich richtig ernährt und keine ungesunde Nahrung zu sich nimmt und auch die anderen Gebote befolgt, wird man dafür belohnt.
In ,Lehre und Bündnisse', Abschnitt 89, Vers 2, lesen wir: „...auszusenden als Gruß, nicht als Gebot oder Nötigung, sondern als Offenbarung und als Wort der Weisheit." Als das Wort der Weisheit gegeben wurde, betrachteten viele es eben wegen dieser Einleitung nicht als bindende Verpflichtung. Warum gab der Herr diese Offenbarung, ohne genau zu sagen, daß es ein Gebot war — ein Muß? John A. Widtsoe, Mitglied des Kollegiums der Zwölf von 1921 bis 1952, glaubte, daß die harten Lebensbedingungen der ersten Heiligen, besonders nachdem die Kirche in den Westen gegangen war, eine Antwort darauf gaben:
„In den Siedlungen des Westens gab es normalerweise ausreichend Nahrungsmittel, aber selten eine große Auswahl, Fleisch war am meisten vorhanden, Getreide gab es normalerweise auch, Gemüse und Obst dagegen waren selten. Wegen der anregenden Wirkung nahmen viele Leute selbstgebraute alkoholische Getränke zu sich — wobei sie jedoch selten oder nie betrunken waren — außerdem auch Tabak, meistens als Kautabak, sowie Tee und Kaffee. Dies brachte natürlich auf Dauer keine Erleichterung von den Beschwerden, die teilweise auf mangelnder Kenntnis der körperlichen Gegebenheiten zurückzuführen waren, "(Joseph Smith, Seeker After Truth, S. 198) Eine Antwort auf diese Frage gab auch Präsident Joseph F. Smith. Er sagte.
„Ein Grund dafür, daß das Wort der Weisheit offenbart wurde — und zwar nicht als .Gebot oder Nötigung' — lag zweifellos darin, daß es, zumindest zu dieser Zeit, jeden, der an den Genuß dieser schädlichen Substanzen gewöhnt war, unter Schuldspruch gebracht hätte, wenn es als Gebot gegeben worden wäre. Der Herr zeigte sich barmherzig und gab ihnen die Gelegenheit, ihre Schwäche zu überwinden, bevor er das Gesetz auf sie anwendete. (GK,Okt. 1913.)
Ezra T. Benson, von 1846 bis 1869 ebenfalls Mitglied des Kollegiums der Zwölf, sagte: ,,Angenommen, er hätte das Wort der Weisheit als Gebot gegeben — wie viele von uns wären dann heute hier? Ich weiß es nicht. Aber er gab es uns nicht als Gebot oder Zwang und sagte, es würde ihn freuen, wenn sein Volk seine Weisungen befolgte. Sollten wir nicht versuchen, unseren himmlischen Vater zu erfreuen?" (Journal of Discourses, 11 '367, 7, April 1867.)Als Brigham Young Präsident der Kirche war, richtete er folgende Aufforderung an die Heiligen:
„Warum eigentlich beherrschen und kontrollieren wir unsere Begierden nicht, damit sie dem Gesetz Christi untertan seien? Aber wollen wir das überhaupt? Einmal sagen wir: ,lch muß Tabak haben, und wenn ich dafür verdammt werden!' Oder: ‚Ich muß Tee trinken, und wenn Ich dafür verdammt werde!' Oder. ,lch muß dies oder jenes haben, und wenn ich dafür in die Hölle komme!' Das ist genauso, als sage man zum himmlischen Vater: ,lch kümmere mich nicht um dich. Ich will deine Gebote nicht befolgen, sondern das machen, was Ich will, und meinen eigenen Wünschen folgen. Ich will meiner Begierde nachgeben und sie befriedigen, auch wenn ich dir damit mißfalle.' Statt dessen sollten wir auf den Geist hören, den Gott uns allen gegeben hat, der uns das Rechte lehrt und uns hilft, das Böse zu meiden. Wir sollten unsere Begierden, unsere innere Haltung, unsere Launen, den ganzen Menschen beherrschen und uns selbst befehlen: „Tu, was ich dir sage. Ich bin ein Offizier, ein General in der Armee Christi, und ich verlange Gehorsam.“
